- Discover
„Sohn“ von Pavelo & Schnell: Die Handschrift Berliner Nächte
Auch mit ihrem dritten Album „Sohn“ bleibt das Berliner Bassduo Pavelo & Schnell beim angestammt düsteren NNDW-Sound, überrascht jedoch mit ungewohnt viel Zärtlichkeit.

Drei Jahre, drei Alben – soweit die verkürzte Chronik des Berliner Basspop-Duos Pavelo & Schnell. Dass bei diesem Hochgeschwindigkeitsverkehr nicht jedes Mal ein neuer Sound entworfen wird, ist klar. Ja, man könnte dem Duo Stillstand attestieren. Aber ist es nicht ein Wert an sich, überhaupt eine Handschrift entwickelt zu haben und diese immer weiter perfektionieren zu wollen? Denn genau das passiert nun bei „Sohn“. Tatort des dritten Albums ist wie gewohnt Berlin. Gebettet auf düsterem NNDW-Sound, den Pavelo Promillo selten so aus einem Guss hat fließen lassen, lässt sich Boris Schnell, der seinerseits selten so melodiös und verletzlich geklungen hat, von der Nacht jagen.
Mit im Gepäck: Kokain, Schlafstörung und 1 000 gute Gründe. Zwar feiern Songs wie „U.D.O“, „Dasselbelied“ oder „Kinder der Nacht“ mit lässigen „Like a G6“-Referenzen, DJ-Assault-Samples und einem Paradiso-Cover die Kaugummi kauende Klubgegenwart Berlins, obwohl das Duo selbst weiß, dass jene Untergrundkultur vielerorts modisches Accessoire geworden und dem Vitamin B anheimgefallen ist. So ist es am Ende die Liebe, die dieses Album zusammenhält, und wer Richard Taubers „Dein ist mein ganzes Herz“ in einen Breakbeatbanger verwandelt, lässt damit nicht nur Heinz Rudolf Kunze links liegen, sondern hat sich womöglich dann sogar doch noch einmal neu erfunden.
Musik


Qobuz-Tipp der Woche: „Yearnalism“ von Baby Rose

Mit Sounds wie aus den 70ern: Fink geht auf Tour
Hörenswert

Absichtlich uncool: Panda Bear und Sonic Boom im Gespräch
Noah Lennox alias Panda Bear und Peter Kember alias Sonic Boom ergänzen einander perfekt: Über den Tod denken sie genau so gern nach wie über Steel Drums.

„Wo bleibt da der Spaß?“ Dinosaur Jr. ist zurück
J Masics von Dinosaur Jr. weiß selbst nicht, was er sagen will, wenn er einen Song schreibt. Jetzt kommt ein neues Album: „There Near“.

Qobuz-Tipp der Woche: „Visitor“ von Sienna Spiro
Bereits vor dem Release ihres Debütalbums war Sienna Spiro ein Popstar. Mit „Visitor“ beweist die Britin nun, dass sie mehr als ein Internethype ist.