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„Of Earth & Wires“ von Dua Saleh: Die Geister, die wir riefen
„Of Earth & Wires“, das zweite Album von Dua Saleh, verhandelt die Ambivalenzen unserer Gegenwart. Auch der Sound ist angenehm uneindeutig und mitunter verspult – kein Wunder, hatte doch Bon Iver diesmal seine Finger mit im Spiel.

Eigentlich ist bereits mit dem Opener von Dua Salehs zweitem Album „Of Earth & Wires“ alles gesagt: Über der naiv gezupften Akustikgitarre und Salehs klagendem Gesang bricht plötzlich ein Schrei und industrielles Geschepper herein. Dazu: ein auf den Mythos des Prometheus referierender Poesie-Schnipsel. Wird Prometheus gerne stellvertretend für die Dualität technologischen Fortschritts herangezogen – also: Emanzipierung auf der einen, Selbstgeißelung auf der anderen Seite –, gilt hier selbiges. Inhaltlich geprägt von den verheerenden Bränden in Salehs Wahlheimat L.A., dem Krieg im Sudan, Salehs eigentlicher Heimat, klimabedingten Überschwemmungen während eines Aufenthalts in Cardiff und gegenwärtigen Abschottungstendenzen, könnte man meinen: Die Welt geht vor die Hunde. Wäre da nicht Salehs unerschütterlicher Glaube an die Liebe – und damit irgendwie auch an die Zukunft, wie diese auch immer aussehen mag.
„It’s all love“, heißt es im Closer, der zusammen mit Lyrikerin aja monet entstanden ist. So gegensätzlich sich Katastrophe und Liebe verhalten, so klingt auch dieses Album: organisch und synthetisch zugleich. Arabische Saiteninstrumente treffen auf Drum Machines, Baile Funk auf UK-Dance. So weist Salehs zweites Album einmal in Richtung nordafrikanischer Heimat und zugleich in Richtung technologischer Überformung und ökologischer Erschöpfung unserer Welt. Hier tanzen die Geister, die wir riefen. Und wer sonst, sollte dieses ambivalente Doppelspiel besser zum Klingen bringen, als der Meister des hybriden und verspulten Sounds höchstpersönlich: Bon Iver. Neben drei gemeinsamen Songs mit Saleh hat Justin Vernon noch Beats samt Inspiration zu diesem fließenden Album mitgebracht. Und es klingt fantastisch. Wo bleibt das Kollabo-Album?
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