- Discover
Mit vollem Körpereinsatz: „No more like this“ von PVA
Wenn das Londoner Synthpop-Trio PVA mit seinem zweiten Album einen Gang zurückschaltet, dann nur, um mit Leib und Seele dabei zu sein.

„Good Morning“, dringt die klare Stimme von Ella Harris durch den Opener des zweiten Albums ihres Synthpop-Trios PVA. Vom ruhigen Synthie-Reigen umspielt, fühlt es sich kurz nach meditativem Morgengruß an, doch anstatt in angemessener Achtsamkeit gen Sonne, Kaffee und Yogamatte zu grüßen, richtet sich Harris’ Hallo an Spuckeflecken auf der Straße und die Stimme im Kopf. Glück gehabt. Bleiben Dreck und Punk also auch weiterhin feste Bestandteile des so eigenwilligen Sounds der Londoner Band.
PVA: Electroclash-Revival aus London
Krachte das gefeierte Debüt „Blush“ noch mit hartem Rave durch die Tür, gibt sich das vom NME mit Vorschusslorbeeren als „most anticipated album release 2026“ behangene „No more like this“ unerwartet bedacht. Eine Soundkorrektur, an der das Trio drei Jahre getüftelt hat und die ihm ganz wunderbar zu Gesicht steht. Bleiben die Ausschläge seltener, nutzen sie sich nun mal nicht so schnell ab, und gleich mit dem zweiten Song „Enough“, einer schrägen Hymne über Begehren, beginnt der Klubboden, sich dann auch endlich mit klebriger Postpunk-Patina zu überziehen.
Wenn Harris’ oft so nüchterner Hybrid aus Spoken-Word und Indie-Singsang bei „Anger Song“ in Klagegesang kippt, Piano und Streicher den Synthies den Rang ablaufen oder das siebenminütige „Okay“, ein Spiel mit männlichen Fantasien, in einer jazzigen Trip-Hop-Coda mündet, hat das nur noch entfernt etwas mit Klubsound zu tun. Um zu verstehen, wieso das so ist, müssen wir noch einmal auf den Morgengruß zu sprechen kommen. „My jaw tensing/My feet dragging/My hips swaying“, tanzt sich Harris dort im Morgenkreis wach.
Hatte sich das Debüt des Trios noch zur Aufgabe gemacht, die breite Palette an Elektrosounds zu erforschen, geht es nun um einen nicht minder wichtigen Aspekt auf der Tanzfläche: Körperlichkeit. Mit ihrer Schnipsel-Poesie, kein Wort verschwendend, nähert sich Harris mit diesem Album der Begegnung und der Bewegung. Sie singt von Hüften, Hälsen und Knochen („Mate“), von abgezogener Haut („Peel“) und gefräßiger Begierde („Boyface“). Scheppernd schiebt und drückt dabei ein Basssound, der klingt, als hätten sich Massive Attack und Crystal Castles zusammengetan, um ein Electroclash-Revival zu starten. Ein Sound, der so unheimlich, waghalsig und schön ist, wie es Körper nun mal auch sind. Weit entfernt von Yogamatten-Körpern, Ozempic und getracktem Schlaf. So ist es schließlich dann doch der Mond, der uns beim Synthpop-Closer „Moon“ alle wachhält.
Musik


Qobuz-Tipp der Woche: „Yearnalism“ von Baby Rose

Mit Sounds wie aus den 70ern: Fink geht auf Tour
Hörenswert

Absichtlich uncool: Panda Bear und Sonic Boom im Gespräch
Noah Lennox alias Panda Bear und Peter Kember alias Sonic Boom ergänzen einander perfekt: Über den Tod denken sie genau so gern nach wie über Steel Drums.

„Wo bleibt da der Spaß?“ Dinosaur Jr. ist zurück
J Masics von Dinosaur Jr. weiß selbst nicht, was er sagen will, wenn er einen Song schreibt. Jetzt kommt ein neues Album: „There Near“.

Qobuz-Tipp der Woche: „Visitor“ von Sienna Spiro
Bereits vor dem Release ihres Debütalbums war Sienna Spiro ein Popstar. Mit „Visitor“ beweist die Britin nun, dass sie mehr als ein Internethype ist.