„Dein Utopia“ von Bora Chung
Mit den Erzählungen von „Dein Utopia“ geht es Bora Chung trotz schwarzem Humors um todernste Themen wie häusliche Gewalt und Transphobie.

„Dein Utopia“ von Bora Chung ist unsere Buchempfehlung der Woche
Science-Fiction mag oft in der Zukunft spielen, letztlich geht es doch immer um unsere Gegenwart. Nirgendwo ist das deutlicher als in dieser Kurzgeschichtensammlung von Bora Chung, in der die Autorin futuristische Szenarien einsetzt, um die absurden und verstörenden Momente unseres Alltags zu verschärfen: Der Stress des Bürolebens ist umso unerträglicher, wenn alle Angestellten potenziell ewig leben („Das Institut zur Erforschung der Unsterblichkeit“), ein Aufzug mit Gefühlen versteht nicht, dass die neue Mieterin nichts von ihm wissen will („One more Kiss, Dear“), und um die Umwelt zu retten, müssen die Pflanzen sich wehren („Samen“).
Trotz schwarzem Humors geht es Chung um todernste Themen wie häusliche Gewalt („Maria, Gratia Plena“) oder Transphobie („Sie zu treffen“). An Utopien und Versöhnung ist sie, entgegen des Titels der Sammlung, eher weniger interessiert: Die meisten Geschichten kippen ins Groteske oder enden in einem Twist, und mit „Das Ende der Reise“ schafft sie es gar, die Zombie-Apokalypse wieder gruselig zu machen. Oder liegt das nur an den offensichtlichen Parallelen zur Covid-19-Pandemie?
Mit „Dein Utopia“ hat es Bora Chung auf unsere Liste der besten Bücher im Januar 2026 geschafft.
Literatur


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