- Discover
Chet Faker: Die Enten in einer Reihe aufstellen
Mit dem neuen Album kehrt Nick Murphy alias Chet Faker zum Sound seiner Jugend zurück. Und um endlich erwachsen zu werden, studiert er die Vogelwelt.

Nick, was trinkst du denn da aus dieser lustigen knubbeligen Flasche?
Chet Faker: Das ist Pflaumensaft. Total lecker. Vom Chinesen. Ich habe mit dort schon zum zweiten Mal in dieser Woche was bestellt. In einigen Tagen drehe ich noch ein Video, da genieße ich gerade die Zeit daheim.
Also kein Urlaub in Sicht?
Faker: Doch. Mein neues Album „A Love for Strangers“ kommt Mitte Februar, vorher fliege ich nach Japan und verbringe eine Woche bei den Mönchen im Kloster Mount Kōya-san bei Osaka. Es ist wunderbar ruhig und erholsam dort, ich war schon drei, vier Mal da. Alles ist sehr einfach und freundlich, du lässt dein Handy aus, saugst die Natur auf und schaust dir die Tempel an.
Du meldest dich heute aus Sydney. Ich dachte, du lebst in Tucson, Arizona.
Faker: Vor gut einem Monat bin ich umgezogen. Sydney scheint mir gutzutun. Meine Mutter lebt auch hier, und da ich in Melbourne geboren bin, ist Sydney für mich tatsächlich Neuland und ein Abenteuer. Ich habe fast zehn Jahre in New York verbracht, doch irgendwann vor drei Jahren habe ich es nicht mehr ausgehalten. Die Stadt ist mir zu laut, zu intensiv geworden. Also habe ich es wie viele Zugvögel gemacht und bin nach Tucson. Kompletter Kontrast. Ich habe niemanden dort gekannt und ein totales Draußenleben geführt. Ich habe den endlosen Horizont und den ewigen Sonnenschein genossen. In meinem Hinterhof habe ich mir ein kleines Studio eingerichtet, dort ist „A Love for Strangers“ entstanden.
War die Arbeit an dem Album therapeutisch?
Faker: Ja. Ich musste einiges verarbeiten: Corona, die George-Floyd-Proteste, den Tod meines Vaters 2020. Jedes Album bedeutet für mich auch Katharsis, aber auf diesem habe ich besonders viel benutzte Wäsche ausgepackt. Ich denke, für mich ist es jetzt mit 37 allmählich an der Zeit, meine Enten in einer Reihe aufzustellen.
Bitte was?
Faker: Kennt ihr diese Metapher in Deutschland nicht? (lacht) Ich sollte mein Leben etwas besser organisieren, ein Heim finden, auf meine Weise ein Erwachsener werden.
Musikalisch erinnern die Stücke allerdings an die Zeit deiner Jugend um die Jahrtausendwende. Ist das Absicht?
Faker: Ja, absolut. Fatboy Slim, Massive Attack, David Gray: Ich habe diese britischen Sounds als Kind geliebt und wollte sie auf diesem Album gern wiederbeleben.
Inhaltlich dreht sich vieles um die Liebe. In „Can you swim?“ vergleichst du sie mit einer Flutwelle, aber es gibt auch hoffnungsvolle Liebeslieder wie „This Time for real“. Wo stehst du in Liebesdingen aktuell?
Faker: Es hat ein paar gescheiterte Versuche gegeben, eine Beziehung aufzubauen. In Tucson habe ich mich ausgerechnet mit einer Frau aus New York getroffen, das konnte natürlich nicht klappen. Im Moment bin ich Single, aber ich habe morgen Abend ein Date. Ich werde berichten, wie es gelaufen ist. (lacht)
Musik


Qobuz-Tipp der Woche: „Yearnalism“ von Baby Rose

Mit Sounds wie aus den 70ern: Fink geht auf Tour
Hörenswert

Absichtlich uncool: Panda Bear und Sonic Boom im Gespräch
Noah Lennox alias Panda Bear und Peter Kember alias Sonic Boom ergänzen einander perfekt: Über den Tod denken sie genau so gern nach wie über Steel Drums.

„Wo bleibt da der Spaß?“ Dinosaur Jr. ist zurück
J Masics von Dinosaur Jr. weiß selbst nicht, was er sagen will, wenn er einen Song schreibt. Jetzt kommt ein neues Album: „There Near“.

Qobuz-Tipp der Woche: „Visitor“ von Sienna Spiro
Bereits vor dem Release ihres Debütalbums war Sienna Spiro ein Popstar. Mit „Visitor“ beweist die Britin nun, dass sie mehr als ein Internethype ist.