- Discover
Anzeige
Im Zweifel für den Zweifel: „alte möbel und junge nervositäten“ von Luis Schwamm
Der Singer/Songwriter hat gleich eine ganze Palette an Vorbildern. Ob das dem Zweifel Einhalt gebieten kann? Mit „alte möbel und junge nervositäten“ legt der Deutsche nun ein warmes, tastendes Debütalbum vor.

Mit „Im Zweifel für den Zweifel“ hat die Indieband Tocotronic 2010 den mit Sicherheit besten deutschen Songtitel des 21. Jahrhunderts vorgelegt. In dieser Kategorie gibt es also vorerst keinen Preis mehr zu verteilen. Inhaltlich dockt das Debütalbum „alte möbel und junge nervositäten“ des Kölner Singer/Songwriters Luis Schwamm jedoch ganz gut an den ikonischen Song der Hamburger Indieband an – und der Albumtitel kann sich auch noch sehen lassen.
„alte möbel und junge nervositäten“ von Luis Schwamm: Out now!
Vom Elternhaus aus sozialisiert mit Klavierinterpretationen von „Yesterday“ und mit Gitarrenversionen von „Wir lagen vor Madagaskar und hatten die Pest an Bord“ wusste der Geiger:innensohn Schwamm früh, dass es einmal die Musik werden soll – bloß eben nicht diese. Suchte er zunächst noch Zuflucht im Emo und Alternative der 90er und 2000er-Jahre, wurde es zunehmend unvermeidlich, irgendwann einmal eigene Song zu schreiben.
Von den Beatles zu Phoebe Bridgers
Vorbilder für „alte möbel und junge nervositäten“ waren dann jedoch weniger die Foo Fighters als Singer/Songwiter:innen wie Elliott Smith oder Indie-Ikonen wie Phoebe Bridgers. Und dass dieses Debütalbum so unbedarft zwischen Intimität und Intensität pendelt, ist dem Umstand geschuldet, dass Schwamms Mischung aus Adultpop und Indiefolk mal in Studios und dann wieder in Wohnküchen, beim Spazierengehen oder auf Bahnfahrten entstanden ist.
Und zu Tocotronic zurück
Doch noch mal zurück zum Zweifel. Schon der sanfte LoFi-Opener „nichtschwimmer“ macht deutlich: Schwamm ist keiner, der die Tür beherzt eintritt. Hier wird sich eher zaghaft vorgetastet. Der Zweifel, ein steter Begleiter. Passend dazu auch Zeilen wie „Hab’s ein letztes Mal versucht/Und dann mit Aufhören angefangen“ aus dem Cowboy-Schlager-New-Wave-Hybrid (ja, wirklich) „du bist es“. Und wenn im folgenden dann die eigene Ambivalenz, zwischenmenschliche Beziehung und Nikotinsucht auseinandergenommen werden, führt einen dieses Album irgendwann ohne jeden Zweifel wieder zu Tocotronic, der Hamburger Schule und Bands wie Blumfeld zurück.
Musik


Qobuz-Tipp der Woche: „Yearnalism“ von Baby Rose

Mit Sounds wie aus den 70ern: Fink geht auf Tour
Hörenswert

Absichtlich uncool: Panda Bear und Sonic Boom im Gespräch
Noah Lennox alias Panda Bear und Peter Kember alias Sonic Boom ergänzen einander perfekt: Über den Tod denken sie genau so gern nach wie über Steel Drums.

„Wo bleibt da der Spaß?“ Dinosaur Jr. ist zurück
J Masics von Dinosaur Jr. weiß selbst nicht, was er sagen will, wenn er einen Song schreibt. Jetzt kommt ein neues Album: „There Near“.

Qobuz-Tipp der Woche: „Visitor“ von Sienna Spiro
Bereits vor dem Release ihres Debütalbums war Sienna Spiro ein Popstar. Mit „Visitor“ beweist die Britin nun, dass sie mehr als ein Internethype ist.